Es ist Juni. Wir sind am Rursee. Zeit für das 51. Hackebeil! In diesem Jahr trug der SSCR im gleichen Sinne ebenso die Landesmeisterschaft NRW aus. Nachdem wir im letzten Jahr zum 50. Jubiläum komplett ohne Wind gar nicht segeln konnten, schien das Wetter wieder etwas gut machen zu wollen und versorgte uns am Samstag mit den Knoten an Wind, die es sich im Vorjahr eingespart hatte. Mit Böen bis 30 Knoten sollte diese Regatta ihrem Namen gerecht werden – Hackewind = Hackebeil.
Mit 30 gemeldeten Schiffen war es wie immer (nach dem Aasee Pokal selbstverständlich) die größte Piratenregatta in NRW von der der ABC fast die Hälfte des Startfeldes ausmachte – so geht Präsenz!

Um 13:00 ging es los und wir kamen an einer eng gedrängten Startlinie in Luv gut weg. Wer den Rursee kennt, weiß, dass er nicht nur sehr boeig sein kann, sondern auch schon mal den ein oder anderen Winddreher parat hat, den an diesem Tag so mancher Crew zu schaffen machte. Mit viel Druck ging es um den Kermeter hoch zum Luvfass. Trotz unseres Durchschnittsgewichts konnten wir das Boot gut gerade halten und den Druck in Speed umwandeln. Am Luvfass angekommen waren wir im ersten Drittel des Feldes. Mit ein paar Shiften manövrierten wir uns zwischen den Booten am SSCR-Steg vorbei Richtung Kermeter, wo bekanntlich die stärksten Böen rumgehen. Vor uns flogen schon Tobi uns Nick, die das Feld anführten und so sahen es fast alle, wie sie in einem Böenfeld von locker 30 Knoten shiften mussten, um zur Leetonne zu gelangen. Innerhalb dieser Böe schien aber noch ein Winddreher versteckt zu sein, die sie nach der Shifte wieder zurück schmiss und dem gesamten Feld einen Sonnenschuss nach allen Regeln der Kunst präsentierten. Das war knapp! Inzwischen konnten wir das aus nächster Nähe beobachte, da wir uns an Position zwei nach vorne gesteuert hatten. Das Problem: Jetzt waren wir die Nächsten. Aber bringt nichts. Augen zu und Segel rum. Geschafft! Noch runter zur Leetonne und die erste Runde war überlebt. Die nächsten zwei Runden konnten wir uns auf dem Platz halten und ins Ziel einfahren.

Die zweite Wettfahrt begann mit puren Chaos am Start, was uns leider vereinnahmte. Die Startkreuz um den Kermeter war schnell, hektisch und es war nicht einfach zwischen den Böen, Winddrehern und Abwinden in Fahrt zu kommen. Auch über den gesamten Lauf kamen wir etwas aus dem Modus und konnten uns mit Mühe und Not als 12. ins Ziel retten. Der letzte Lauf des Tages sollte dann wieder besser werden. Ein hart umkämpfter Platz am Startschiff sorgte für den besten Start im Feld und so konnten wir uns von Beginn an mit Tobi und Nick vorne positionieren und vom Feld absetzen. Ein weiterer zweiter Platz machte einen gelungenen Abschluss des Tages auf dem Wasser rund, der am Land des SSCRs mit einem klassischen Grillen und einem weltklasse Salatbuffet beendet wurde. Nach dem ersten Segeltag fanden wir uns dann auf Platz vier in den Zwischenergebnissen wieder. Tobi und Nick bis hierhin absolut verdient an der Spitze mit drei Siegen.

Der zweite Tag sollte nochmal spannend werden. Für einen zweiten Platz durften wir auf keinen Fall mehr schlechter als einen 12. Platz segeln. Die Windverhältnisse hatten sich über Nacht komplett gedreht und wir hatten mit Leichtwind und vielen Drehern zu tun. Zum Start wurde es am Startschiff wieder sehr eng. Dicht gedrängte lagen wir nebeneinander und luvten uns zum Teil bis in den Wind, was uns später noch zum Verhängnis werden sollte. Die Startkreuz war sehr eng und angespannt. Erst im Mittelfeld kamen wir um die Luvtonne, konnten aber dann von Runde zu Runde und dank der fantastischen Kreuztaktik-Kompetenz meiner Steuerberaterin uns auf Platz acht nach vorne kämpfen. Ein letztes Mal down Wind Richtung Leetonne: Vor uns lagen noch Peter und Markus, sowie Mads-Ove und Lea, die beide fast noch in greifbarer Nähe waren. Aber nur fast… Für eine versuchte Überlappung an der Tonne hatte es leider nicht gereicht und so reihten wir uns brav hinter ihnen ein, um auf die Zielkreuz zu gehen. Auch wenn diese recht kurz war, wollten wir nochmal alles versuchen. Eine direkte Wende an der Tonne war die einzige Option anders als die beiden anderen zu fahren. Dann kam Wind! Jetzt hieß es, jeden Dreher sauber mitnehmen, Boot gerade halten – schnell fahren! Und tatsächlich gelang schafften wir es noch beide Boote auf den letzten Schlägen zu bekommen und als sechster ins Ziel zu fahren. Dann hieß es erstmal Puls wieder runterbringen und die Punkte durchrechnen (Zum Glück ist einer von uns an Bord Mathelehrerin 😉).  Mit dem Lauf waren wir tatsächlich zweiter, allerdings Punktgleich mit Thomas und Frank Schneider, die hinter Tobi und Nick einen souveränen zweiten Platz eingefahren haben. Das bedeutete, wir müssen in der letzten Wettfahrt vor ihnen sein. Das war eine Ansage!

Auch der letzte Start sollte wieder am Startschiff los gehen. Dieses Mal kamen wir wieder mit Schwung und Platz über die Linie und die wilde Fahrt begann. Frank und Thomas lagen deutlich hinter uns, was uns sehr beruhigte, aber gleichzeitig auch nervös machte, da wir wussten, dass am besonders am Rursee ganz am Ende abgerechnet wird. Aber egal – Konzentration nach vorne und segeln! Nach der ersten Runde konnten wir uns an die Spitze setzen und das mit sehr gutem Abstand zum hinteren Feld. Dann wurde es ernst: Auf der letzten Kreuz standen wir einmal zu lange im Wind, da der Rursee uns mit einem Winddreher nach dem anderen beglückte und wir gar nicht mehr wussten auf welchem Bug wir jetzt weiterfahren sollten. In dem Moment kamen Thomas und Frank uns immer näher. Auf dem letzten Spigang des Tages trat die Kunst des Rursees wieder hervor, willkürliche Privatböen zu verteilen. Dieses Mal waren wir leider nicht an der Reihe, sondern die Schneider-Brüder, die uns in Lee einmal durchreichten. Das durfte nicht wahr sein… Die Tatsache, dass der Rest des Feldes mit ordentlich Wind hinter uns angerauscht kam, machte die Situation nicht wirklich besser. Plötzlich waren auch Tobi und Nick wieder vorne mit dabei und drückten sich kurz vor Ziel noch auf den zweiten Platz, nachdem wir als dritter durch Ziel fuhren.

Etwas enttäuscht fuhren wir an Land, den „Vize-Landesmeister“ verpasst zu haben. Im Glauben, die Regatta war abgeschlossen, erreichte uns die Nachricht, dass noch ein Protest gegen uns angemeldet wurde. Jetzt wurde es nochmal spannend und Platz drei war auch nicht mehr so sicher, wie wir glaubten. Der Protest galt der ersten Startsituation der vierten Wettfahrt, bei der wir notgedrungen durch die Boote in Lee unser Boot in Luv hochluven mussten und es zu einer Berührung kam. An diesem Tag haben wir gelernt, dass ein solcher Protest auf das Boot nach Lee übertragen werden kann, was uns den DSQ erspart hätte. Etwas fassungslos über die Ereignisse des Tages ließen wir die Siegerehrung über uns ergehen und rechneten mit einem Platz irgendwo zwischen 5 und 10. Doch wir wurden und wurden nicht aufgerufen… Punktgleich mit Jonke und Michael retteten wir uns doch noch aufs Treppchen und wie verrückt es auch klingen mag, aber in diesem Moment haben wir uns mehr über den dritten Platz gefreut, als über den zweiten.

Herzlichen Glückwunsch an Tobi und Nick, die mit einer unfassbaren 1er Serie diese Landesmeisterschaft dominiert haben. Ebenso gilt unser Glückwunsch Moritz und Jan, als bestes Jugendboot. Man kann sagen, der ABC hat an diesem Wochenende ordentlich abgeräumt!

Viel Dank an den SSCR zur Austragung dieser Landesmeisterschaft, sowie unserer lieben Ela für viele tolle Erinnerungen an dieses Wochenende!
Sebastian und Melina
GER 4516