Was für eine Meisterschaft! Die diesjährige Juniorenmeisterschaft in Güstrow war gefüllt mit vielen Überraschungen, tollen Programmpunkten, spannenden Rennen, neuen Bekanntschaften und plötzlichen Wendungen auf dem Wasser und auch an Land.
Doch der Reihe nach.
Kurz vorab noch: Der Verein hat immensen Aufwand betrieben, um uns Seglern eine fantastische Meisterschaftswoche zu ermöglichen. Das Rahmenprogramm ging von täglichen Tombolas über verschiedene Challenges und Rankings hin zu Aktivitäten wie Bullenreiten.
Der Wassersport-Verein-Güstrow ermöglichte den Teilnehmern schon eine sehr rechtzeitige Anreise, sodass viele Teams direkt von der Erwachsenen-Deutschen nach Güstrow kommen konnten, um sich einzurichten und sich an den See zu gewöhnen. Das bezieht sich aber weniger auf den See selbst, sondern eher auf gewisse Wasserpflanzen, die tunlichst vermieden werden sollten, wenn man halbwegs schnell segeln wollte. Jeder der schonmal in Güstrow war, weiß welche Stelle(n) ich auf dem See meine.
Am Vermessungstag wurde uns sogar ein kleiner Regattakurs ausgelegt, der von vielen Teams gerne genutzt wurde, um sich schonmal an das Revier zu gewöhnen. Für Rico und mich war es eine gute Gelegenheit nochmal die Manöver durchzugehen und sich wieder aneinander zu gewöhnen, da mein letztes Mal auf dem Piraten wieder ein paar Wochen her war. Ehrlich gesagt war die Eingewöhnung aber nur für mich. Rico ist da deutlich lockerer als ich.
An Land herrschte währenddessen reges Treiben, da schließlich über 40 Boote vermessen werden mussten. Es wurden Segel hin und her getragen, Unterschriften gesammelt und zum Teil noch Segelnummern geklebt. Alles in allem gab es aber keine größeren Vorkommnisse, die nicht irgendwie gemeinsam gelöst werden konnten.
Wie ein paar schon von mir wissen, komme ich ursprünglich aus dem Laser/ILCA und bin noch nicht lange im Piraten. Deshalb war ich den Trubel eines Vermessungstages schon gewohnt. Was für mich aber noch ungewohnt war, ist die Hilfsbereitschaft der Piraten-Segler untereinander. Im Laser musste man sehr viel für sich selbst sorgen, wenn es um Ersatzmaterial und Ähnliches ging.
Im Piraten braucht man dagegen nur mal stirnrunzelnd ins Boot zu schauen und wird gleich gefragt, ob was kaputt sei und man irgendwas braucht. Wenn man da nicht schnell genug ablehnt, kriegt man schon das nötige Werkzeug gereicht und noch einen guten Tipp dazu.
Hier mein Kompliment an die Piraten-Community.
Kommen wir zu den Regattatagen:
Die Eröffnung und Steuerleutebesprechung waren gut gemacht und die Segler haben alle offenen Fragen klären können.

Wenn es euch aber so dringend interessiert, müsst ihr nächstes Jahr einfach selbst teilnehmen und es miterleben ;).
Rico und ich hatten im Vorfeld abgeschätzt, dass wir einen Platz zwischen 10 und 15 ungefähr erwarten. Ich wollte mich auch erst noch an das Verhalten der Segler beim Start gewöhnen, da ich vorher noch nie mit so vielen Piraten an einer Linie stand und die Lasersegler sich ein bisschen anders verhalten an der Startlinie. Mit den Plätzen 11 und 4 waren wir dann etwas überrascht und sehr zufrieden. In der Zwischenwertung belegten den fünften Platz.
An diesem Punkt hatte ich noch nicht gedacht, dass wir den fünften Platz auch tatsächlich halten könnten.
Ich hatte ja keine Ahnung, was da noch alles kommen sollte…
An Land gab es für alle Segler noch Anlege-Getränke, kleine Speisen und nach einer kleinen Preisverleihung noch richtig leckeres Abendessen, sodass wir den Tag gesellig ausklingen lassen konnten.

Rico und ich konnten für die ersten zwei Wettfahrten weiterhin recht konstant fahren und erreichten die Plätze 5 und 9. In der dritten Wettfahrt kam irgendwie eines zum anderen und wir sind plötzlich einen ersten Platz ersegelt. Allein um diese Wettfahrt zusammen erleben zu können, hat sich die Meisterschaft schon für Rico und mich gelohnt. In der Zwischenwertung sollte uns dieser Tag dann auf den dritten Platz katapultieren.
Zum Abschluss des Tages gab es wieder die täglichen Anlegegetränke, die täglichen kleinen Speisen und nach der täglichen Preisverleihung das sehr leckere tägliche Abendessen. Das „täglich“ möchte ich hier kurz betonen. Denn, obwohl ich schon an einigen Meisterschaften teilgenommen habe, habe ich noch keine vergleichbare Versorgung und ein solches Rahmenprogramm erlebt, wie dieses Jahr in Güstrow.
Vielleicht geht das bei den Piraten ja immer so zu (das wisst ihr wahrscheinlich besser als ich), aber auch dann ist und bleibt es lobenswert.

Die Leibchen mussten wir deshalb erstmal weiterreichen, aber dafür würden wir auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Zumindest war das unser tröstender Gedanke für den letzten Tag.
An Land gab es dann wieder in gewohnter Form die Anlegegetränke, das Essen und so weiter und so weiter. (Das Essen hat es verdient hier an jedem Tag erwähnt zu werden, denn es war wirklich lecker). Hier noch eine wichtige Ergänzung von Rico: Es gab sogar jeden Abend Eis als Nachtisch und das auch mit täglich wechselnden Sorten. Einfach super :).
Doch zusätzlich zum gewohnten täglichen Programm gab es abends einen Sondergast. Julius (der von ClownSails) ist extra nach Güstrow gekommen, um für alle Segler einen ClownSails-Abend zu veranstalten. Hier konnten sich Teams von vier Leuten miteinander messen und in verschiedenen Disziplinen ihr Können unter Beweis stellen. Danke an Julius an dieser Stelle, für diesen echt lustigen Abend.
So, und damit zum letzten Tag der Juniorenmeisterschaft.
An diesem vierten Regattatag waren nur 2 Wettfahrten geplant und die sollten es nochmal richtig in sich haben. Der Wind war etwas unbeständiger als an den Tagen zuvor und kam auch aus einer etwas anderen Richtung, sodass die Karten nochmal neu gemischt wurden.
In der ersten Wettfahrt konnten sich Rico und ich zusammen mit Maurice Bachmeyer und Marie Bark etwas vom Feld absetzen und das Rennen dann unter uns entscheiden.
Die Entscheidung in Kurzform: Maurice und Marie haben uns einfach abgehängt und sich nicht mehr einholen lassen. Damit war das Rennen dann entschieden. Bis dahin war es aber ein echt spannendes Duell.
In der zweiten Wettfahrt sollte nochmal alles auf den Kopf gestellt werden. Der Wind war wieder unbeständig und hat kleine Fehler und Pech hart bestraft. Diese Wettfahrt hat selbst bei den führenden Booten nochmal ordentlich Bewegung in die Ergebnisliste gebracht.
So kam es, dass Franz Rompeltien und Yoram, die ab dem ersten Tag geführt haben und auch Titelverteidiger waren, plötzlich auf den zweiten Platz gerutscht sind.
Franz Erpenbeck und Charlotte, die mit einem Frühstart in die Regatta gestartet sind, sind die ganze restliche Woche eine recht konstante Serie gefahren und haben mit dem letzten Rennen dann den ersten Platz in der Gesamtwertung erreicht.
Rico und ich hatten in der letzten Wettfahrt nochmal ein richtig gutes Händchen für den schwierigen Wind und konnten das Rennen gewinnen, was uns insgesamt wieder auf den dritten Platz gebracht hat.
Abends gab es wieder die üppige Verpflegung und die Juniorenmeisterschaft wurde noch mit einer gebührenden Siegerehrung und einer gewaltigen Meister-Feier beendet.
Ich habe nur noch ein paar letzte Worte, und dann habt ihr diesen Bericht endlich geschafft.
Ich weiß er ist lang geworden, aber was hätte ich bei dieser großartigen Meisterschaft denn weglassen sollen?!
Erstmal meinen Glückwunsch nochmal an Franz und Charlotte für ihren verdienten Meistertitel. Auf so einem See muss man eine so konstante Serie an Wettfahrten erstmal hinlegen. Abgesehen vom Frühstart natürlich 😉
Dann gehen mein Dank und Lob an den Wassersport-Verein-Güstrow mit all den freiwilligen Helfern und allen Beteiligten im Vordergrund und Hintergrund für diese großartige Veranstaltung. Egal ob auf dem Wasser oder an Land: Die Regatta war echt gut organisiert und mit so viel Programm gefüllt, dass es bestimmt auch für 2 Wochen gereicht hätte.
Und dann geht mein Dank noch an euch, die Piraten-Segler, für eure herzliche Art, mit der ihr damals meinen Bruder und dieses Jahr mich aufgenommen habt und für all die Tipps, die ihr mir so hilfsbereit gegeben habt.
Vielen Dank für diese Meisterschaft und dieses Erlebnis.
Marino und Rico Rychlitzki
GER 4533 Ri vor Re