Zusammen mit hunderten Booten aus 30 verschiedenen Klassen haben sich gleich 16 Crews auf den Weg zum Sneeker Meer gemacht. Auf dem Wasser gab es das volle Programm: An den 6 Segeltagen reichte es von Startverschiebung wegen Flaute über reguläre Wettfahrten von über 2 Stunden Dauer bis zu Wettfahrten bei ordentlich Wind mit fast 30 Knoten. Die spannenden Kurse haben uns einiges abverlangt – und die Orientierung zwischen den vielen Tonnen erst recht. Aber wer tagsüber segelt, braucht abends bekanntlich auch einen anständigen Ausgleich. Die Tage klangen passend aus, egal ob bei der Flottenparade in den Grachten, auf der Kirmes oder mit einer spontanen Gesangseinlage beim DiscoBingo im Festzelt.

Da jedes Team diese erste Sneekweek ein bisschen anders erlebt hat, gibt es dieses Mal ein echtes Gemeinschaftswerk: Jeden Tag hat eine andere Crew den Stift übernommen. Viel Spaß beim Lesen unserer Erlebnisberichte!

Freitag – für viele noch Anreisetag, für einige -so wie uns- schon der erste volle Tag vor Ort in Goingarijp am Sneeker Meer

Die Wettfahrten gehen erst am Samstag los, was aber nicht bedeutet, dass der Freitag nicht ebenfalls voller Programmpunkte ist. Linda und Gertjan haben uns empfohlen, das Finale der Skûtsje-Regatta auf dem Wasser zu verfolgen. Dafür sind wir mit allen Motorbooten ausgelaufen und lagen am Ende mit 6 Mobos an einem Anker. Eingebettet in ein Publikum von hunderten Zuschauerbooten. Die „Fans“ durften, überwacht von der Polizei, nur hinter einer Bojenreihe liegen. Dort war man allerdings bestens versorgt mit Friesland-Ballermannmusik und Spezialitäten vom Fritteusenschiff.
Wir gründeten spontan eine Wettgemeinschaft auf das schnellste Plattbodenschiff. Wem schulde ich eigentlich nun meine 2€ Einsatz?

Nach etwa 3 Stunden auf dem Wasser unter der sengenden Sonne Frieslands fuhren wir mit dem ersten Wettfahrtvorgeschmack heim, um pünktlich beim nächsten Programmpunkt zu erscheinen. Unser Pirat war ausgewählt, unsere Klasse auf der Eröffnungs-Flottenshow zu repräsentieren. Dazu mussten wir schon am späten Nachmittag pünktlich unseren von der KWS organisierten Schlepp nach Sneek erreichen.

An der Flottenshow nimmt von jeder Sneekweek-Bootsklasse ein Boot teil. In der Innenstadt wurde die Parade vorbereitet. Alle bekamen einheitliche Lichterketten und ein Namensschild der Bootsklasse. Zeit, noch einmal im zehnseitigen (!) Drehbuch der Parade zu blättern. Mit allen Details zum Ablauf und -ganz wichtig- zum richtigen Verhalten an der königlichen Statenyacht!

Während der Wartezeit schauten sich einige Interessierte den Piraten genauer an und fragten uns, was das für ein mooie Bootje ist, denn diese Klasse war auf der Sneekweek jahrzehntelang nicht vertreten.

Mit deutlicher Verspätung ging die Flottenparade nach Einbruch der Dunkelheit endlich los. Die geschmückten Segelboote, wurden in kleinen Gruppen durch die Kanäle von Sneek gezogen, immer im Wechsel mit Blaskapellen oder anderer Oranje-Folklore. An der Gracht verfolgten zehntausende Besucher das Spektakel entlang der ca. 2 km langen Strecke.

Mit Abstand die beste Stimmung gab es natürlich dort, wo sich die Piraten versammelt hatten. Mit lauten La-Ola-Wellen und kräftigen Jubelrufen machten wir auf uns aufmerksam. Ich denke, das hat einen ziemlich guten Eindruck hinterlassen.

Das Grüßen des königlichen Flottenvogts auf der Statenyacht, einem prunkvollen hölzernen Plattbodenschiff, hat genau nach Protokoll zu erfolgen: der Vorschoter grüßt den Vogt, indem er das Vorsegel streicht, also einrollt, und ihn auf gar keinen Fall in die Augen sieht (aha!). Der Gruß des Steuermanns besteht aus einem geraden Blick in seine Augen, jedoch komplett ohne Gruß oder Salutieren oder gar Winken. Wir beugten uns brav der alten Tradition.

Nach der Parade und dem einstündigen Nachhause-Schlepp durch Gertjan und Linda (Danke dafür!) waren wir fix und fertig und froh, nach einem Feierabendbier in unsere Zelte kriechen zu können.

GER 4257 TurboLenz
Jonas & Sofia

Samstag – Perfekter Wind zum Sneekweek-Start

Der Samstag der Sneekweek 2026 markierte für uns ein echtes Highlight im Regatta-Kalender: der allererste Startplatz für die Piratenklasse bei dieser legendären Veranstaltung in den Niederlanden. Nach dem tollen Opening am Freitag stand für Samstag dann der erste Segeltag an.

Gute 45 Minuten vor unserem eigentlichen Start erreichten wir das Regattagebiet. Da unsere Klasse eine der hinteren Startplatzierungen in der Gesamtreihenfolge zugewiesen bekommen hatte, bot sich uns bei der Ankunft eine Kulisse, die wir so schnell nicht vergessen werden. Es war schlichtweg unglaublich beeindruckend. Wohin das Auge blickte: ein riesiges Meer aus Schiffen, Masten und weißen Segeln.

Wir kamen aus dem Staunen überhaupt nicht mehr heraus! Vor lauter Begeisterung und Faszination über diese schiere Masse an Booten mussten wir daran denken in diesem dichten Gewusel niemanden zu behindern oder in die Quere zu kommen. Doch schnell wurde klar: Trotz der gewaltigen Dimensionen lief die Logistik wie am Schnürchen. Die Regattaleitung war perfekt.

Dann kam endlich unser Start. Wir hatten herrliche Sonne und schöne 3 Beaufort. Der anschließende Kurs hatte es in sich und verdient das Prädikat „sehr abenteuerlich“. Wer die Sneekweek kennt, weiß, dass die Bahnen oft quer und in Zickzackmustern über den Seen führen. Doch was soll man sagen? Das befürchtete Chaos blieb völlig aus. Das Zusammenspiel und die Begegnungen mit den vielen anderen Bootsklassen verliefen komplett reibungsfrei und harmonisch.

Fazit des ersten Tages: Es war schlicht und ergreifend ein wunderschöner, packender Segeltag auf einer rundum atemberaubenden Veranstaltung. Die Sneekweek hat uns Piraten schon am ersten Tag komplett in ihren Bann gezogen!

GER 4526 Basti & Anne

Sonntag – Startverschiebung, Sommerwetter und Kanaltour

Der zweite Segeltag in Sneek begann bei bestem Sommerwetter mit einer Runde Baden. Beim morgendlichen Plantschen wurde der Kurs inspiziert und über die neu gewonnenen Taktiken des Tonnenmusters gefachsimpelt. Umsetzen konnten wir leider keine der neuen Erfahrungen, da kurz nach dem Frühstück die Startverschiebung hochging. Also ging es los, um uns anzuschauen, wo wir hier eigentlich gerade segeln. Die einen stiegen auf das Fahrrad, die anderen in die Motorboote, und los ging es, die Gegend zu erkunden, wofür bei manch anderer Regatta wenig Zeit bleibt. Nach einer traumhaften Kanaltour und der Besichtigung des Städtchens Terherne kehrten wir rechtzeitig zur finalen Absage des Segeltages zurück. Bei kaltem Bier und einer Pizzaparty kam die Sneekweek ins Rollen, mit der Vorfreude auf viele schöne Segeltage vor uns.

GER 4223 Lea & Flo

Montag – Kaiserwetter und DiscoBingo

Der Montag brachte wieder beste Segelbedingungen mit sich. Sonne, 25 Grad und ordentlich Wind sorgten für einen weiteren langen Tag auf dem Wasser. Dieses Mal führte der Kurs über das gesamte Sneeker Meer. Die langen Schläge sorgten dabei nicht nur für ordentlich Segelzeit, sondern auch für die ein oder andere navigatorische Herausforderung.

Denn bei den vielen Tonnen auf dem Sneeker Meer war es gar nicht so einfach, immer die richtige Bahnmarke im Blick zu behalten. Zwischen all den Tonnen musste zunächst herausgefunden werden, welche davon überhaupt zur eigenen Bahn gehörte. Da konnte es schon einmal vorkommen, dass während eines langen Schlags hektisch diskutiert wurde, ob nun links oder rechts um die nächste Tonne gefahren werden musste. Wer die falsche Tonne erwischte oder erst spät erkannte, wo es weiterging, verschenkte schnell wertvolle Plätze.

Nach mehreren Stunden auf dem Wasser ging es schließlich zurück in den Hafen. Viel Zeit zum Erholen blieb allerdings nicht, denn am Abend wartete bereits das nächste Highlight: DiscoBingo im Festzelt.

Statt der üblichen Bingozahlen standen diesmal bekannte Songs auf dem Programm. Sobald ein Lied angespielt wurde, hieß es: erkennen, mitsingen und hoffen, dass die richtige Kombination auf dem eigenen Bingo-Zettel zusammenkam. Besonders lustig wurde es, wenn jemand etwas zu voreilig „Bingo!“ rief. Denn wer fälschlicherweise Bingo meldete, kam um eine kleine Gesangseinlage nicht herum.

Auch die Piraten ließen sich natürlich nicht lange bitten. Nach einem falschen Bingo-Ruf musste kurzerhand das Mikrofon übernommen werden. Als musikalischer Beitrag wurde „Atemlos durch die Nacht“ zum Besten gegeben – sehr zur Unterhaltung des restlichen Festzeltes.

GER 4381 Gerrit & Jonas

Dienstag – Im Rhythmus der Sneekweek
Wie eigentlich an jedem Tag der bisherigen Sneek Week konnten wir zunächst ganz entspannt ausschlafen und in Ruhe frühstücken. Ein Blick auf das Wasser versprach gute Bedingungen: nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig Wind. Andere Bootsklassen waren bereits auf dem Wasser unterwegs, und die Vorfreude aufs Segeln stieg mit jeder Minute.

Nachdem das Boot aufgebaut und alles vorbereitet war, liefen wir aus und warteten auf unseren Start. Die Bedingungen waren nahezu perfekt für uns: genau so viel Wind, dass wir stabil hängen konnten – unsere stärkste Disziplin.

Nach rund zwei Stunden spannender Wettfahrt und vieler Duelle mit unseren Gegnern konnten wir schließlich den Tagessieg für uns entscheiden. Die Freude darüber war natürlich riesig, und entsprechend gut gelaunt kehrten wir an Land zurück. Dort warteten bereits kühle Getränke.

Am Abend trafen sich die Piratensegler zu einem gemeinsamen Grillen. Jeder brachte sein eigenes Grillgut mit, und in geselliger Runde ließen wir den Tag ausklingen. Ein besonderer Moment war, als Linda uns einen Zeitungsartikel vorlas, der von uns beiden handelte. Franz-Dieter hatte bereits am Vortag ein Interview mit einer holländischen Zeitung gegeben – ein schöner Abschluss eines rundum gelungenen Regattatages.

Franz Dieter und Yoram CHI 69

Mittwoch – Hardzeildag

Der Mittwoch der Sneek Week 2026 hatte es in sich. Das Sneeker Meer zeigte sich von seiner sportlichen Seite und forderte uns mit kräftigem Wind, der in Böen Geschwindigkeiten von bis zu 28 Knoten erreichte.

Schon vor dem ersten Start war klar, dass es heute ein sehr anstrengendes und hartes Rennen werden würde. Neben dem starken Wind sorgten auch die kurzen und steilen Wellen für anspruchsvolle Bedingungen.

Sogar die eigentlich erfahreneren Teams taten sich schwer ihr Boot vom Kentern abzuhalten.

Am zweiten Luvfass fand die Wettfahrt zum Wohle aller Segler, auf Grund des starken Windes ein verfrühtes Ende.

Den Abend haben wir auf der Kirmes in Sneek und in dem Festzelt auf der Starteiland nett ausklingen lassen.

GER 4532 Jonah & Mirja

Donnerstag – Finale bei 30 Knoten

Morgens Aufstehen, kurz frisch machen und dann ab ans Rührei. So verlief jeder morgen unserer Woche bislang. Es hatte funktioniert wir haben bis hier hin durchgehalten (nach dem gestrigen Tag keine Selbstverständlichkeit). Also ja warum was ändern für den letzten Segeltag der Sneekweek. Nach der morgendlichen neuen Einteilung der Crews für manche Teams ging es wieder aufs Wasser.

Nach dem der Hardzeildag gestern einigermaßen verarbeitet war, dachten sich die Organisatoren, weil es so schön war machen wir das ganze nochmal. Unterwegs stellten wir schnell fest: Trotz wieder bis zu fast 30knt Wind heute kein kurzer Kurs, sondern zum Abschluss nochmal einmal richtig über den See für ne große Ausfahrt. Start verlief ganz gut, der See war dem Wind entsprechend leerer als an den ersten Tagen. Dem Wind und den langen Schlägen geschuldet bildeten sich relativ schnell kleine Gruppen an Booten. Da alle eher mit sich und dem See beschäftigt waren, ging die wilde Fahrt munter weiter. Kurz vor der Durchfahrt auf das von uns liebevoll getaufte große Sneekemeer bewiesen der KWS und die Regattaleitung wieder sehr gutes Fingerspitzengefühl und nahmen uns mit Flagge Sierra strategisch an der sehr guten Tonne ins Ziel, so dass wir mit einem kurzen Weg schnell im Hafen waren.

Hier nochmal ganz großes Dank an die Piraten, die an dem Tag nicht selber gesegelt sind und uns mit ihren Motorboote abgesichert haben.

Nach den letzten Hoi Hois an die Anwohner ging es auch schon ans Boot verladen. Klare Aufgabenteilung: Nach jedem Schritt wurde sich mit Bier belohnt.

Nachdem alles am Boot fertig war, kurz ausruhen und durchschnaufen in der Unterkunft. Hier nochmal großes Dankeschön an Linda, Gertjan, Charlotte und Willhelm für diese tolle Bleibe.

Dann ging es auch mit Kurs Starteiland auf dem Seeweg zur Siegerehrung, wie schon die ganze Woche ein tolles Programm. Da die Siegerehrung in Reihenfolge der Startklassen stattfand waren wir wie gewohnt fast zum Schluss dran, hatten dafür aber mehr Zeit die anderen Teilnehmenden zu feiern und auch noch etwas Bier zu trinken. Als dann Svenja und Butze auf die Bühne durften, kannte die Menge kein halten mehr: Tosender Applaus. Als sie dann aber nochmal für 2 Minuten „we are the champions“ mit allen 1. Plätzen auf die Bühne mussten, war der arme Butze davon zur Freude aller anderen gar nicht begeistert. Zum Abschluss gab es die versprochene große Party, heute auch nur mit Leuten vom Segeln. Nach der Party und noch ein paar Runden Karten im Haus war damit die Sneekweek geschafft.

Ich glaube dies war nicht der letzte Besuch der Piraten in Sneek. Bis dahin ein 3faches Hackebeil!

Grüße Kevin und Clausi 4309