Die Eisheiligenregatta in Schwerin: Zwischen Schlossblick, Flaute und dem großen Gate-Chaos
Wenn der Kalender die „Eisheiligen“ ankündigt, der Ranglistenfaktor einen hohen Wert von 1,35 verspricht, aber am Ende nur 14 Piraten den Weg nach Schwerin zum SSV von 1894 finden, dann kommt man als erfahrener Regattasegler ins Grübeln. Man muss es offen aussprechen: Die Meldezahl war enttäuschend gering.
Aktuell haben viele Piratenregatten mit niedrigen Teilnehmerzahlen zu kämpfen. Alles wird teurer; Sprit, Startgelder, Campinggebühren etc. Da überlegt man sich dreimal, wohin die Reise geht. Und die Realität zeigt, dass ein hoher Ranglistenfaktor heute kaum noch jemanden hinter dem Ofen hervorlockt. Was wirklich zieht, sind Vereine, die sich an Land engagieren, ein tolles Programm bieten und eine gute Zeit garantieren. Regatten wie Leineweber oder Haltern Classics wurden dieses Jahr bereits durch hohe Meldezahlen belohnt, weil dort die Mitglieder alles dafür tun, damit es vor allem an Land eine gelungene Veranstaltung wird. Wir reisten am Freitagabend an und ergatterten mit unserem Camper einen Logenplatz erster Güte: direkt auf der Wiese vor dem Marstall, mit freiem Blick auf den Schweriner See und das beleuchtete Schloss. Ein fantastischer Ausblick!

Immerhin rettete der SSV den Nachmittag/Abend an Land. Es gab Freibier, Freigetränke und ein leckeres Essen. Ein gelungener Ausklang, bevor wir uns alle langsam wieder Richtung Camperwiese zurückzogen, am Wasser wurde es schlichtweg zu kalt. Es waren eben echte Eisheilige.
Für Sonntag sah die Vorhersage nicht viel besser aus, und so kam es dann auch. Nach 1-2 Stunden mit Startverschiebung an Land ging es wieder für alle aufs Wasser, getreu dem Motto: Bevor wir gar keine Wettfahrt in der Wertung haben, versuchen wir zumindest ein Rennen ins Ziel zu bringen, koste es, was es wolle.
Die Startkreuz war tatsächlich noch segelbar und relativ fair. Aber ab dem Vorwindkurs mutierte der Schweriner See zur mentalen Belastungsprobe. Das Spiel lief wie folgt: Spinnaker setzen, Wind weg, Spinnaker bergen. Wind kommt plötzlich von der Seite, von vorne oder wieder von hinten, also Spinnaker wieder einpacken und wieder setzen. Es war ein Nervenkrieg, bei dem man einfach die Ruhe bewahren musste. Riesige Abstände waren innerhalb von Sekunden verschwunden und kehrten sich im nächsten Moment komplett um, inklusive zahlreicher Positionswechsel.
Und dann kam das große Finale. Nach zwei Up-and-Downs entschied die Wettfahrtleitung unten an einer Leetonne (einem Gate) Bahnabkürzung und Ziel zu machen. Ab hier wurde es unübersichtlich. Da es laut Kursplan nach dem letzten Vorwinder kein Gate mehr gab, weil danach eigentlich ein Zielhalbwindkurs folgen sollte, musste das Ziel zwischen der Leetonne und dem Schlauchboot der Wettfahrtleitung liegen. Da das Schlauchboot jedoch mit maximal ein bis zwei Metern Abstand direkt an der Tonne lag, kam es zu Missverständnissen.
- Einige Teams gingen davon aus, dass es sich um ein normales Gate handelte, das man einfach passieren musste, um über die Linie zu fahren. Davon ist auch die Wettfahrtleitung ausgegangen.
- Andere Teams erkannten richtigerweise, dass man zwischen der Tonne und dem Schlauchboot durchfahren musste, und quetschten sich zwischen Mobo und Tonne ins Ziel, was im Nachgang auch als korrekt gewertet wurde.
Das Ergebnis war ein großes Durcheinander. Im Anschluss gab es zahlreiche Diskussionen, einen Protest und eine finale Wertung, mit der verständlicherweise die wenigsten einverstanden waren, auch wir nicht. Souverän war die Entscheidung der Wettfahrtleitung an diesem Sonntag leider nicht, und es war eigentlich schon vor dem Start klar, dass dies keine faire Wettfahrt werden konnte. Aber auch das gehört zum Sport dazu. Nicht nur wir Segler machen Fehler und greifen taktisch mal daneben, auch eine Wettfahrtleitung darf einen unglücklichen Tag erwischen. 😉
Gott sei Dank war es keine Meisterschaft und Gott sei Dank ist es bei dieser einen Wettfahrt an dem Wochenende geblieben. Aus der Sicht von Martin und mir hatte dieses Rennen am Ende keine Bedeutung, und uns war es vollkommen egal, auf welchem Platz wir letztlich landeten. Für uns war es ein schönes Wochenende, das wir uns durch einen erzwungenen „Wettfahrtversuch“ nicht kaputt machen lassen wollten und ich glaube für alle waren Ines und Harpo die Sieger der Herzen.
Hoffen wir einfach auf bessere Bedingungen im nächsten Jahr, dann ist das hier auch ganz schnell wieder vergessen.
In diesem Sinne: Bis zur nächsten Regatta!
Liebe Grüße
Andreas & Martin
